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Abfall-(Ent)Sorgen PDF Print E-mail
Tuesday, 30 December 2008 23:32
Kennst du das? Eigentlich hattest du nur schnell eine Tasse Tee gekocht. Der Teebeutel schwebt schon über dem Eimer mit dem Bio-Müll, da meldet sich plötzlich dein Gewissen. Wie ein ungebetener Flaschengeist.
"Willst du wirklich diesen ganzen Teebeutel in den Bio-Müll werfen, ohne ihn zu trennen? Da ist ein Papierschnippsel dran!"
"Pedant", sage ich und entferne mit spitzen Fingern das Zettelchen mit der Aufschrift "Earl Grey". Auf dem Weg zum Altpapierkorb nervt mich schon wieder meine innere Stimme: "Du willst ja wohl nicht die Klammer in den Altpapiermüll werfen! Du machst denen die Maschinen kaputt."
Spinn ich denn? Okay, dann friemel ich eben auch noch die Klammer ab. Jetzt halte ich in der linken Hand den Beutel, in der rechten den Faden. Die Klammer habe ich ordnungsgemäß ins Altmetall entsorgt. Was nun? Gerade will ich den ganzen Rest in den Bio-Eimer werfen, da höre ich den nervigen Flaschengeist schon wieder:
"Das Zettelchen in den Papiermüll, den Tee in den Bio-Müll und den Faden..." Ja, wohin mit dem Faden? Das weiß noch nicht mal meine innere Umweltpolizei. Nachdem ich den Teebeutel mit einer Schere vorsichtig aufgeschnitten und den Inhalt in die Biotonne entleert habe, überlege ich, während ich den Papierbeutel zum Altpapierkorb trage, ob ich den Faden in einem Chemielabor untersuchen lassen soll. Dann fällt mir ein alter Trick ein: Ich halte ein Feuerzeug dran, und wenn er sofort gut brennt, ist er aus Baumwolle und kann in den Bio-Müll.
Tatsächlich, er brennt wie Zunder. Und danach muss ich ihn auch nicht mehr wegwerfen... 
 
Der kleine Sinn für Gerechtigkeit PDF Print E-mail
Monday, 22 December 2008 19:29

Was ist Gerechtigkeit?

Wer mehr als ein Kind hat, weiß, was Kinder darunter verstehen: Alle kriegen die gleiche Anzahl Gummibärchen, dürfen die gleiche Anzahl von Minuten auf Mamas Schoß sitzen und der Pegelstand im Limonadenglas wird mit dem Lineal abgemessen. Und wenn der Siebenjährige mal einen Kinderriegel weniger bekommt als sein kleiner Bruder, heißt es gerne mal: "Wenn er darf, dann darf ich auch!" Darauf entfernen sich übertrieben stampfende, wütende Schritte, und ich wundere mich darüber genauso wie über den Spruch, den ich ihnen hinterher rufe: "Sehr erwachsen, Jannik, wirklich!"

Ja, so ist das mit den lieben Geschwistern. Gestern war wieder doppelter Geburtstag meiner Kinder: Jannik wurde 7, Benjamin 2. Der Ältere muss in letzter Zeit etwas unten durch, und seine anfängliche Euphorie über den neuen Familienzuwachs sowie sein Wunsch nach noch mehr Geschwistern wich relativ bald dem Ärger über den kleinen Bruder. Spätestens dann, wenn seine kunstvollen Bauwerke vernichtet werden oder mal ein Auge mehr zugedrückt wird als bisher üblich. Immer muss der Ältere zugleich der Venünftigere sein, wenn gestritten wird, denn schließlich ist er nicht nur älter und vernünftiger, sondern leider zu allem Überfluss auch noch größer und stärker als der Kleine. Immer kassiert er den elterlichen Rüffel, denn schließlich kann der Kleine nie etwas dafür. Immer hat der den Kleinen am Rockzipfel, sobald Freunde zu Besuch sind. Immer muss er ein Auge auf den Kleinen haben oder auf ihn aufpassen, wenn Mama schnell unten in der Waschküche die Wäsche aufhängt.

Deshalb folgt hier mein Plädoyer für den großen Kleinen: ältere Geschwister müssen nicht immer die "vernünftigeren" sein. Sie sind auch nicht als Dauer-Entertainer für ihre jüngeren Geschwister geeignet. Und obwohl sie körperlich überlegen sind, sollen sie sich auch mal wehren dürfen. Das tut nicht nur ihnen gut, sondern auch den Kleinen. Denn eine faire Beziehung ist meistens auch eine gute.

Es wäre so herrlich einfach. Wenn der Ältere nur nicht so unglaublich stur wäre... 

 
Rauchverbotland PDF Print E-mail
Thursday, 07 August 2008 09:30

Ist das blöd! Da sitze ich in der gut gefüllten Kneipe am Vierertisch vor meinem Bier und die drei anderen Stühle sind leer. Sitze da wie bestellt und nicht abgeholt. Nicht, weil ich kontaktscheu wäre und niemanden gehabt hätte, der den Abend mit mir verbringen würde und auch nicht, weil ich den Tisch gegen unbekannte Platzsuchende verteidigt hätte. Ich habe nur den Fehler gemacht, mit drei Rauchern wegzugehen. Und die sind jetzt alle paar Minuten draußen vor der Tür, wärmen sich an dem Gasstrahler und haben Spaß. Draußen ist die Stimmung gut. Drinnen sitze ich.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt mit dem Nichtraucherschutz. Klar war ich dafür gewesen. Hatte genug davon, bei jedem Kneipenbesuch spätestens ab halb elf mit tränenden Augen zu kämpfen und meine Klamotten anschließend komplett in den Wäschekorb werfen zu müssen. Und vom Thema Gesundheit fange ich jetzt gar nicht erst an.

Aber jetzt? Ein ständiges Kommen und Gehen. Spätestens nach zehn Minuten wieder nervöse Hektik, kollektive s Aufstehen und es kommt mir vor, als dürfe ich bei etwas ganz Tollem, was da draußen passiert, nicht dabei sein. Ich meine sogar, ein mitleidiges Lächeln dafür zu ernten, dass ich drin bleiben muss. Was laufen für Gespräche da draußen? Wieso habe ich am Ende des Abends das Gefühl, dass da eine Verbrüderung meiner Raucherfreunde mit anderen Rauchern stattfindet, mit der ich nichts zu tun habe?

Und ab halb elf tränen mir jetzt zwar nicht mehr die Augen, ich kann auch die gegenüberliegende Wand noch erkennen und es riecht nicht mehr nach Rauch. Aber dafür nach etwas anderem. Nach Mensch irgendwie - und das ist auch nicht immer angenehm.

Die Gesellschaft teilt sich auf, hört man. In Habenichtse und Besitzende. In Bürger und Migranten. Vor allem aber, denke ich, in Raucher und Nichtraucher. Warum haben wir das nicht wie erwachsene Menschen hingekriegt? Warum haben die Raucher so rücksichtslos alles voll gequalmt? Und warum waren wir Nichtraucher so entsetzlich pingelig und haben uns gleich militant und lautstark beschwert, nur weil der Wind im Biergarten Rauchschwaden vom Nachbartisch herüber geweht hat ? Jetzt haben wir den Salat und lassen unser Leben von Verboten bestimmen, die uns demnächst auch noch vorschreiben werden, beim Velofahren einen Helm zu tragen. Selbst das tu ich bereits freiwillig...

 
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